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Hülsenfrüchte für Hunde: Was du unbedingt wissen musst

Ein Golden Retriever steht an einer Arbeitsplatte in der Küche. Vor ihm eine Schale mit Erbsen.

Hülsenfrüchte für Hunde sind ein kontroverses Thema in der Hundeernährung. Während sie wertvolle Nährstoffe liefern können, bergen sie auch Risiken. In diesem Guide erfährst du alles was du unbedingt über die sichere Fütterung von Linsen, Erbsen und Co. wissen musst.

» Dürfen Hunde Hülsenfrüchte essen?

» Warum sind sie roh giftig?

» Die richtige Zubereitung

» Was steckt in Hülsenfrüchte?

» Herzprobleme durch Hülsenfrüchte?

» Wann sind Hülsenfrüchte tabu?

» Alternativen: Soja und Weizengluten

» Wichtig beim Futterkauf

» FAQ

Dürfen Hunde Hülsenfrüchte essen?

Die kurze Antwort: Ja, aber nur unter bestimmten Bedingungen. Hülsenfrüchte, botanisch der Familie der Fabaceae (auch Leguminosen genannt) zugehörig, umfassen Linsen, Erbsen, Bohnen und Kichererbsen. Sie können für Hunde eine wertvolle Futterkomponente sein, allerdings nur bei korrekter Aufbereitung. Rohe Hülsenfrüchte sind aufgrund toxischer (giftiger) Inhaltsstoffe für deinen Hund gefährlich und absolut tabu.1

In den letzten Jahren hat die Relevanz von Hülsenfrüchten in der Hundeernährung stark zugenommen. Viele kommerzielle Futtersorten, die als „Grain-Free“ (getreidefrei) vermarktet werden, nutzen Hülsenfrüchte in deutlich erhöhter Konzentration als Hauptbestandteile. Diese dienen als Ersatz für Getreide und liefern gleichzeitig den erforderlichen Anteil an Protein und Kohlenhydraten. Schätzungen zufolge kann die Konzentration in manchen Produkten 40 % oder mehr erreichen.2

Diese Verschiebung im Futtermittelmarkt ist nicht ausschließlich ernährungsphysiologisch motiviert, sondern reagiert primär auf die Verbrauchernachfrage nach getreidefreien Optionen. Um die gewünschte Futtertextur und den deklarierten Nährwert zu erreichen, müssen Hersteller Hülsenfrüchte oft in sehr hohen Anteilen einsetzen – was neue metabolische (stoffwechselbedingte) Herausforderungen schafft, die bei traditionellen Futterrationen nicht relevant waren.

Warum sind rohe Hülsenfrüchte giftig?

Während Hülsenfrüchten bei korrekter Aufbereitung wertvolle Nährstoffe liefern, sind sie im rohen Zustand toxisch. Der Grund dafür liegt in sogenannten Antinährstoffen. Das sind bioaktive Substanzen, die die Nährstoffaufnahme beeinträchtigen oder den Verdauungstrakt direkt schädigen können.3

Lektine: Die primäre Gefahr für deinen Hund

Lektine sind spezielle Proteine, die sich an Kohlenhydratstrukturen binden können. Der gefährlichste Vertreter in Hülsenfrüchten ist das Phytohämagglutinin (PHA), das besonders in Kidneybohnen stark konzentriert vorkommt.

Wie Lektine wirken: Diese Proteine binden an die Schleimhautzellen des Verdauungstrakts und können die Darmwand schädigen. Dies führt zu einer Störung der Nährstoffaufnahme und provoziert akute Magen-Darm-Symptome.4

Diese Vergiftungserscheinungen können bei deinem Hund auftreten:

  • Akute Magen-Darm-Entzündung (Gastroenteritis)
  • Blutiger Durchfall (hämorrhagische Diarrhö)
  • Massives Erbrechen
  • Starke Bauchkrämpfe und Schmerzen
  • In schweren Fällen: Austrocknung (Dehydratation) und Störungen im Mineralstoffhaushalt (Elektrolytstörungen)

Die Schwere der Symptome hängt von der aufgenommenen Menge und dem Körpergewicht ab. Kleine Hunde und Welpen sind besonders gefährdet, da bereits geringe Mengen schwere Vergiftungserscheinungen auslösen können.

Phytinsäure: Der „Mineralstoff-Blocker“

Phytinsäure (auch Inositolhexakisphosphat genannt) ist ein weiterer bedeutender Antinährstoff in Hülsenfrüchten. Sie wirkt als sogenannter Chelatbildner. Das bedeutet, sie bildet chemische Komplexe mit wichtigen Mineralstoffen wie Eisen, Zink, Calcium und Magnesium. Diese gebundenen Mineralstoffe kann der Darm deines Hundes dann nicht mehr aufnehmen.5

Was das für deinen Hund bedeutet: Bei langfristiger Fütterung von Rationen mit hohem Phytinsäuregehalt kann es zu versteckten Mineralstoffmängeln kommen, die sich erst nach Monaten zeigen. Besonders kritisch ist dies für die Aufnahme von Eisen (wichtig für die Blutbildung) und Zink (wichtig für Immunsystem und Wundheilung).

Die richtige Zubereitung: So machst du Hülsenfrüchte sicher

Die gute Nachricht: Durch korrekte Zubereitung werden Hülsenfrüchte „Hund-sicher“ und bekömmlich. Hier sind die drei wichtigsten Schritte:

Übersichtliche Grafik, die die richtige Zubereitungsart für Hülsenfrüchte für Hunde aufzeigt.

1. Einweichen (12 Stunden)

Weiche Bohnen, Erbsen und Kichererbsen mindestens 12 Stunden in ausreichend Wasser ein, am besten im Kühlschrank. Dieser Schritt aktiviert das Enzym Phytase, das die problematische Phytinsäure abbaut und so die Aufnahme wichtiger Mineralstoffe wie Eisen und Zink verbessert. Ausnahme: Rote und gelbe Linsen müssen nicht eingeweicht werden.

2. Gründlich kochen

Die Kochzeit ist sehr wichtig, um die giftigen Lektine zu zerstören:

  • Bohnen, Erbsen, Kichererbsen: 60-90 Minuten kochen, bis sie sehr weich sind
  • Linsen (rot/gelb): 30-45 Minuten
  • Braune Linsen: 30-45 Minuten (optional vorher einweichen)

Beim Kochen werden die Lektine bei Temperaturen über 75 °C denaturiert. Für maximale Sicherheit kannst du einen Drucktopf verwenden (121 °C). Wichtig: Bei zu kurzem Kochen (z.B. nur 5 Minuten) können die Lektinkonzentrationen sogar ansteigen, da teilweise zerstörte Lektine manchmal giftiger sein können als die ursprünglichen Formen.

3. Abspülen und zerkleinern

Nach dem Kochen musst du das Kochwasser wegschütten! Es enthält gelöste Antinährstoffe. Spüle die gekochten Hülsenfrüchte gründlich ab. Bohnen, Erbsen und Kichererbsen solltest du zusätzlich zerkleinern oder pürieren. Das erhöht die Verdaulichkeit und verhindert Blähungen. Gekochte Linsen zerfallen meist von selbst zu Brei.

Nährstoffe: Was steckt in Hülsenfrüchten?

Pflanzliches Protein: Hülsenfrüchte gelten als hervorragende pflanzliche Proteinquelle. Erbsenprotein-Isolat kann bis zu 85 % reines Eiweiß enthalten und wird aufgrund seiner guten Verdaulichkeit geschätzt, besonders für Hunde mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten gegenüber traditionellen tierischen Proteinen.6

Der entscheidende Unterschied ist das Aminosäureprofil. In der Hundeernährung muss zwischen pflanzlichen und tierischen Proteinen differenziert werden. Die biologische Wertigkeit eines Proteins wird durch sein Aminosäureprofil bestimmt, also die Zusammensetzung und Menge der einzelnen Aminosäuren (Proteinbausteine).

Essentielle Aminosäuren sind solche, die dein Hund nicht selbst herstellen kann und die zwingend über die Nahrung aufgenommen werden müssen. Hierzu zählen unter anderem: Methionin und Cystein (schwefelhaltige Aminosäuren – besonders wichtig!), Lysin, Tryptophan, Threonin, Arginin, Histidin, Leucin, Isoleucin, Valin (verzweigtkettige Aminosäuren) und Phenylalanin.

Das Problem mit Hülsenfrüchten: Sie haben ein unvollständiges Aminosäureprofil, insbesondere einen Mangel an den schwefelhaltigen Aminosäuren Methionin und Cystein. Warum das kritisch ist: Methionin und Cystein sind die biochemischen Vorläufer (Präkursoren) für die Herstellung von Taurin im Körper. Taurin ist eine schwefelhaltige Aminosäure, die für Hunde semi-essentiell ist. Das bedeutet, Hunde können sie zwar selbst herstellen, aber nur in begrenztem Maße und nur, wenn ausreichend Methionin und Cystein verfügbar sind. Ein chronischer Mangel an Taurin kann zur Entwicklung einer schweren Herzerkrankung führen, der Dilatativen Kardiomyopathie (DCM)7. Mehr dazu erklären wir im nächsten Abschnitt.

Ballaststoffe: Gut für den Darm, aber mit Vorsicht zu dosieren. Gekochte Hülsenfrüchte enthalten hohe Mengen an löslichen und unlöslichen Ballaststoffen. Diese komplexen Kohlenhydrate in gekochten Linsen und Bohnen unterstützen die Darmgesundheit und wirken präbiotisch. Sie fördern ein gesundes Mikrobiom im Verdauungstrakt:

Lösliche Ballaststoffe (z.B. Pektine):

  • Verlangsamen die Magenentleerung und erzeugen ein Sättigungsgefühl
  • Regulieren die Glukoseaufnahme (günstig bei Diabetes)
  • Dienen als Nahrung für nützliche Darmbakterien (präbiotische Wirkung)

Unlösliche Ballaststoffe (z.B. Cellulose):

  • Erhöhen das Stuhlvolumen
  • Beschleunigen die Darmpassage
  • Unterstützen die natürliche Darmbewegung (Peristaltik)

Die Kehrseite: Bei übermäßiger Zufuhr oder unzureichender Zubereitung können unverdaute Kohlenhydrate in den Dickdarm gelangen, wo sie schnell vergären. Dies führt zu übermäßiger Gasbildung und resultiert in Blähungen, Bauchkrämpfen und Durchfall.

Mikronährstoffe: Die wertvollen Zusatzstoffe. Hülsenfrüchte liefern wichtige Mikronährstoffe: Eisen, Zink und B-Vitamine. Besonders Folat (Vitamin B9), Thiamin (B1) und Niacin (B3) sind in Hülsenfrüchten reichlich vorhanden und wichtig für den Energiestoffwechsel. Zink ist essentiell für die Immunfunktion, Wundheilung und Proteinherstellung im Körper.

Die DCM-Kontroverse: Können Hülsenfrüchte Herzprobleme verursachen?

Die Verwendung von Hülsenfrüchten in der Hundeernährung ist eng mit einer der bedeutendsten veterinärmedizinischen Kontroversen der letzten Jahre verbunden: der ernährungsassoziierten Dilatativen Kardiomyopathie (DCM-A).

Die Häufung der Fälle und die FDA-Untersuchung

Was ist DCM? Die Dilatative Kardiomyopathie ist eine Herzmuskelerkrankung, die durch eine fortschreitende Erweiterung (Dilatation) der Herzkammern und eine reduzierte Pumpfunktion charakterisiert ist. Dies führt zu Herzinsuffizienz und kann tödlich enden. Traditionell war DCM auf genetisch vorbelastete Rassen beschränkt (insbesondere Dobermann, Boxer, Deutsche Dogge, Irish Wolfhound). Ab 2016 beobachteten Tierärzte jedoch eine ungewöhnliche Häufung von DCM-Fällen bei Rassen, die normalerweise nicht anfällig sind, darunter auch kleinere Rassen und Mischlingshunde.

Die U.S. Food and Drug Administration (FDA) startete 2018 eine offizielle Untersuchung und identifizierte einen möglichen ursächlichen Zusammenhang mit bestimmten Futtertypen. Die Daten zeigten einen deutlichen Zusammenhang:

Merkmale der betroffenen Futtersorten:

  • Getreidefreie Formulierung („Grain-Free“)
  • Hülsenfrüchte (Erbsen, Linsen, Leguminosensamen) unter den ersten 10 Zutaten
  • Häufig auch Kartoffeln oder Süßkartoffeln als Kohlenhydratquelle
  • Fütterung über Monate bis Jahre vor Auftreten der Herzerkrankung

Die Berichte dokumentierten hunderte Fälle, wobei viele Hunde diese Futtersorten über 6-24 Monate gefressen hatten, bevor kardiale Symptome auftraten.8

Die Taurin-Hypothese: Warum das Herz leidet

Was genau die futterbedingte DCM verursacht, wird noch intensiv erforscht. Der Zusammenhang ist statistisch klar belegt, aber die genauen biochemischen Vorgänge sind komplex und noch nicht vollständig geklärt. Die Rolle von Taurin für das Herz: Taurin ist eine schwefelhaltige Aminosäure mit multiplen physiologischen Funktionen:

  • Regulation des Zellvolumens und Wasserhaushalt
  • Bindung von Gallensäuren (wichtig für die Fettverdauung)
  • Kalziumhaushalt im Herzmuskel (Myokard)
  • Antioxidative und zellschützende Eigenschaften

Das Rätsel: Bei vielen DCM-A-Fällen waren die Taurinwerte im Blut normal. Ein klassischer Taurinmangel schien also nicht vorzuliegen.
Die Erklärung: Forscher vermuten, dass nicht zu wenig Taurin im Blut das Problem ist, sondern dass der Körper Taurin nicht richtig herstellt oder verbraucht.

Der vermutete Mechanismus:

  1. Hohe Hülsenfrucht-Konzentrationen im Futter liefern zu wenig schwefelhaltige Aminosäuren (Methionin/Cystein).
  2. Antinährstoffe reduzieren die Aufnahme dieser Aminosäuren im Darm zusätzlich.
  3. Die körpereigene Taurin-Produktion wird dadurch limitiert Gleichzeitig könnten hohe Ballaststoffmengen den Gallesäure-Kreislauf stören, was zu erhöhtem Taurin-Verbrauch führt.
  4. Es entsteht ein funktioneller Mangel, obwohl die Blutwerte normal erscheinen.
Grafik über Mechanismus von Hülsenfrüchten und Taurinmangel bei Hunden

Die gute Nachricht: Die Krankheit kann sich zurückbilden

Mehrere Fallserien dokumentieren eine Umkehrbarkeit der Herzfunktionsstörung nach Futterumstellung9. Dabei bessern sich die Ultraschallwerte von Herzfunktion und Herzgröße, die Symptome wie Atemnot, Schwäche und Ohnmacht gehen zurück, und nach 3-6 Monaten kann eine teilweise Normalisierung eintreten. Diese Verbesserung spricht dafür, dass die Ursache tatsächlich im Futter liegt und nicht in den Genen. Allerdings erholen sich nicht alle Hunde vollständig. Manche Herzschäden bleiben dauerhaft.

Wie du vorbeugen kannst

Basierend auf den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen konzentrieren sich Präventionsstrategien auf die Optimierung der Schwefelaminosäure-Versorgung:

  • Nutze gut verdauliches tierisches Protein mit allen wichtigen Aminosäuren.
  • Gib L-Methionin nur nach Rücksprache mit dem Tierarzt, damit alle Aminosäuren im Gleichgewicht bleiben.
  • Verwende Hülsenfrüchte nicht als Hauptproteinquelle.
  • Lass bei Risikofutter das Herz regelmäßig untersuchen (vor allem bei großen Rassen).

Beachte: Unkontrollierte Taurin-Supplementierung ohne diagnostische Grundlage ist nicht zu empfehlen, da Überdosierungen ebenfalls Nebenwirkungen haben können.

Wann Sind Hülsenfrüchte absolut tabu für Hunde?

Welpen und Junghunde (unter 18 Monate):

Der Magen-Darm-Trakt von Welpen und Junghunden ist noch nicht vollständig entwickelt, und die Enzyme zur Verdauung komplexer Kohlenhydrate sind noch begrenzt. Außerdem baut sich die Darmflora erst noch auf. Daher kann die Fütterung von Hülsenfrüchten zu schweren Verdauungsproblemen, Nährstoffaufnahmestörungen und Wachstumsproblemen führen.

Hunde mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (IBD):

Die hohen Ballaststoffmengen können die Darmentzündung verschlimmern.

Hunde mit bekannter Hülsenfrucht-Unverträglichkeit:

Manche Hunde zeigen individuelle Unverträglichkeitsreaktionen auf spezifische Proteine in Hülsenfrüchten, unabhängig von der Zubereitung.

Diese Hülsenfrüchte sind absolut verboten

Diese Hülsenfrüchte sind hochgiftig für deinen Hund:

  • Rohe Kidneybohnen (extrem hoher Lektin-Gehalt)
  • Rohe Saubohnen enthalten Vicin und Convicin (Stoffe, die rote Blutkörperchen zerstören können)
  • Kaffeebohnen (hoher Koffeingehalt, wirkt auf das Nervensystem giftig)

Ungeeignete Fertigprodukte:

  • Baked Beans: Hoher Gehalt an Zucker und Salz, oft mit Tomatenmark
  • Bohnen aus der Dose: Konservierungsstoffe, hoher Natriumgehalt
  • Chilibohnen: Schärfe (Capsaicin) und oft Zwiebeln/Knoblauch enthalten

Alternative: Soja und Weizengluten

Tempeh: Die fermentierte Alternative. Durch die Fermentation von Sojabohnen mit speziellen Pilzen (Rhizopus) werden schwer verdauliche Zucker wie Raffinose und Stachyose bereits vorverdaut. Studien zeigen, dass ganze Sojabohnen 3,8% Stachyose und 0,6% Raffinose enthalten. Diese unverdaulichen Kohlenhydrate werden im Dickdarm deines Hundes fermentiert und können Blähungen verursachen. Die Fermentation baut diese problematischen Zucker ab, wodurch Tempeh deutlich bekömmlicher wird als unfermentierter Tofu.

Sojaprotein-Isolate: Hochverarbeitete Sojaprodukte wie Sojaprotein-Isolate können eine Proteinverdaulichkeit von bis zu 89,9% erreichen, was deutlich höher ist als bei ganzen Sojabohnen mit nur 82,4% Proteinverdaulichkeit.10 Der Verarbeitungsprozess reduziert die Antinährstoffe erheblich und verbessert die Bioverfügbarkeit der Nährstoffe.

Wichtig zu wissen: Die Studien zeigen auch, dass hochwertige Proteinquellen wie Weizengluten (Saitan) eine noch höhere Verdaulichkeit (89,9%) aufweisen als Sojaprodukte und gleichzeitig zu besserer Kotkonsistenz führen.11 Bei der Futterwahl solltest du daher nicht nur auf die Proteinquelle, sondern auch auf deren Verarbeitungsgrad achten.

Kommerzielles Hundefutter: Worauf du beim Kauf achten solltest

Das Etikett richtig lesen

Die Zutatenliste auf Hundefutter ist in absteigender Reihenfolge nach Gewichtsanteil geordnet. Wenn Hülsenfrüchte unter den ersten 10 Zutaten erscheinen, machen sie einen erheblichen Anteil der Rezeptur aus.

Diese Warnzeichen solltest du kennen:

  • Mehrfache Nennung verschiedener Hülsenfrucht-Formen (z.B. „Erbsen, Erbsenmehl, Erbsenprotein, Linsen“). Dies ist eine sogenannte Splitting-Technik, die den tatsächlichen Gesamtanteil verschleiert.
  • „Grain-Free“ oder „Getreidefrei“ in Kombination mit Hülsenfrüchten als Hauptzutat.
  • Exotische oder seltene Proteinquellen (Känguru, Bison, Lamm) in Kombination mit hohen Hülsenfrucht-Anteilen.
  • Kartoffeln oder Süßkartoffeln zusätzlich zu Hülsenfrüchten.

Optimale Zusammensetzung:

  • Hochverdauliches tierisches Protein als erste Zutat (Huhn, Rind, Fisch).
  • Vielfältige Kohlenhydratquellen (Reis, Hafer, Gerste, Süßkartoffeln in moderaten Mengen).
  • Hülsenfrüchte nur in geringen Anteilen oder weiter hinten in der Zutatenliste.
  • Hersteller mit veterinärernährungswissenschaftlicher Expertise.
  • Dokumentierte Fütterungsstudien (nicht nur Laboranalysen).

Fazit: Hülsenfrüchte für Hunde – Ja oder Nein?

Dürfen Hunde Hülsenfrüchte fressen? Die Antwort lautet: Ja, aber nur unter strikten Bedingungen und in Maßen. Die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst: Hülsenfrüchte sind sicher für deinen Hund, wenn:

  • Du sie mindestens 12 Stunden einweichst (außer rote/gelbe Linsen).
  • Du sie 60-90 Minuten gründlich kochst (Linsen 30-45 Minuten).
  • Du das Kochwasser wegschüttest und sie gründlich abspülst.
  • Du sie pürierst oder zerkleinerst.
  • Du nur kleine Mengen als Ergänzung fütterst (niemals als Hauptnahrung).
  • Dein Hund erwachsen ist (mindestens 18 Monate alt).
  • Du ihn langsam und schrittweise daran gewöhnst.

Verzichte auf Hülsenfrüchte, wenn:

  • Dein Hund noch ein Welpe oder Junghund unter 18 Monaten ist.
  • Er zu Verdauungsproblemen oder Blähungen neigt.
  • Er bereits Herzprobleme hat oder zu einer Risikorasse gehört.
  • Du getreidefreies Futter mit hohem Hülsenfrucht-Anteil (unter den ersten 10 Zutaten) fütterst.

FAQ

Ja, gekochte Hülsenfrüchte sind sicher für Hunde und liefern Proteine (20–25 %), Ballaststoffe und wichtige Mineralstoffe wie Eisen, Kalium und Magnesium. Rohe Hülsenfrüchte sind giftig, da sie Phasin enthalten. Gekocht (mindestens 15 Minuten bei über 80°C) wird Phasin zerstört. Verfütterte Hülsenfrüchte maximal als 10 % der täglichen Futterration.

Rohe Hülsenfrüchte enthalten Phasin, ein Lektin-Protein, das rote Blutkörperchen verklumpt und die Sauerstoffversorgung stört. Symptome einer Vergiftung: Erbrechen, Durchfall, Bauchkrämpfe, Lethargie, in schweren Fällen blutiger Durchfall und Fieber. Die gute Nachricht: Hitze zerstört Phasin vollständig. Gekochte Hülsenfrüchte sind daher sicher. Bei Verdacht auf Vergiftung sofort zum Tierarzt.

Rote und gelbe Linsen: 15 Minuten kochen ohne Einweichen. Braune Linsen: 25–30 Minuten. Erbsen und Kichererbsen: 12 Stunden einweichen, dann 45–60 Minuten kochen. Bohnen: 12 Stunden einweichen, dann 60+ Minuten kochen. Immer ohne Salz und Gewürze kochen. Idealerweise pürieren für bessere Verdaulichkeit. Dosierprodukte gründlich abspülen, um Salz zu entfernen.

Hülsenfrüchte sollten nicht mehr als 10 % der täglichen Futterration ausmachen. Ein 20 kg Hund: etwa 50–100 g gekochte Hülsenfrüchte täglich. Kleinere Hunde proportional weniger. Anfangs nur 1–2 Esslöffel pro Tag geben und langsam über 7–10 Tage steigern. Beobachte auf Blähungen oder Verdauungsprobleme. Empfindlichkeit reduzieren oder weglassen.

Ja, Hülsenfrüchte sind schwer verdaulich und können Blähungen verursachen – besonders bei empfindlichen Hunden und bei zu großen Mengen. Grund: schwer verdauliche Kohlenhydrate wie Stachyose und Raffinose. Vorbeugung: Klein anfüttern, pürieren, auf Verträglichkeit achten. Bei anhaltenden Verdauungsproblemen, weichem Kot oder Erbrechen: Fütterung stoppen und Tierarzt konsultieren. Nicht alle Hunde übertragen Hülsenfrüchte.

Die Forschung ist noch nicht abschließend geklärt. Es gibt Hinweise, dass sehr hohe Hülsfrucht-Anteile in getreidefreiem Futter den Taurin-Stoffwechsel beeinflussen könnten, besonders bei prädisponierten Rassen. Vorbeugung: Hülsenfrüchte nur als 10-%-Beifütterung, nicht als Hauptquelle. Große Rassen sollten moderat gefüttert werden. Bei Verdacht auf Herzprobleme oder Taurinmangel: Tierarzt aufsuchen.

Hast Du noch Fragen, die die FAQ nicht beantworten? Dann schreib uns gerne eine E-Mail an info@mein-tierladen.com – Wir unterstützen dich gerne bei praktischen Fragen rund um die Ernährung auf Basis unserer Erfahrung weiter. Beachte aber: Wir sind weder Veterinäre noch Ernährungsexperten. Bei gesundheitlichen Problemen oder Unsicherheiten ist dein Tierarzt der beste Ansprechpartner.

Zuletzt aktualisiert: Dezember, 2025

Quellen:

  1. Ono K, Blanchard H, Kashiwagi N, MacSween RN, Claman HN, Starzl TE. Effects of phytohemagglutinin on humoral antibody response, delayed hypersensitivity, and homograft rejection. Surgery. 1970 Feb;67(2):322-7. PMID: 4903932; PMCID: PMC2963947. ↩︎
  2. Mansilla WD, Marinangeli CPF, Ekenstedt KJ, Larsen JA, Aldrich G, Columbus DA, Weber L, Abood SK, Shoveller AK. Special topic: The association between pulse ingredients and canine dilated cardiomyopathy: addressing the knowledge gaps before establishing causation. J Anim Sci. 2019 Mar 1;97(3):983-997. doi: 10.1093/jas/sky488. PMID: 30615118; PMCID: PMC6396252. ↩︎
  3. International Journal of Research and Review 2023;10(2) – DOI: 10.52403/ijrr.20230229 ↩︎
  4. Lajolo FM, Genovese MI. Nutritional significance of lectins and enzyme inhibitors from legumes. J Agric Food Chem. 2002 Oct 23;50(22):6592-8. doi: 10.1021/jf020191k. PMID: 12381157. ↩︎
  5. Singh, Madhav et al. (1982) Inhibition of trypsin activity in vitro by phytate. J. Agric. Food Chem., 1982, 30 (4), pp 799–800. ↩︎
  6. Reilly LM, von Schaumburg PC, Hoke JM, Davenport GM, Utterback PL, Parsons CM, de Godoy MRC. Macronutrient composition, true metabolizable energy and amino acid digestibility, and indispensable amino acid scoring of pulse ingredients for use in canine and feline diets. J Anim Sci. 2020 Jun 1;98(6):skaa149. doi: 10.1093/jas/skaa149. PMID: 32484865; PMCID: PMC7265953. ↩︎
  7. Robert C Backus, Kwang Suk Ko, Andrea J Fascetti, Mark D Kittleson, Kristin A MacDonald, David J Maggs, John R Berg, Quinton R Rogers, Low Plasma Taurine Concentration in Newfoundland Dogs is Associated with Low Plasma Methionine and Cyst(e)ine Concentrations and Low Taurine Synthesis1, The Journal of Nutrition, Volume 136, Issue 10, 2006, Pages 2525-2533, ISSN 0022-3166. ↩︎
  8. Ernährung und dilatative Kardiomyopathie beim Hund | Royal Canin Academy ↩︎
  9. Interdisciplinary Scientific Cooperation Will Lead the Way to Understanding of Non-Hereditary DCM ↩︎
  10. Godglück A, Hankel J, Wilke V, Ullrich C, Visscher C. Investigation of the Digestibility, Fecal Characteristics, and Palatability of Oil Mil By-Products as a Plant-Based Protein Source in Canine Diets. Animals (Basel). 2025 Nov 13;15(22):3279. doi: 10.3390/ani15223279. PMID: 41301986; PMCID: PMC12649578. ↩︎
  11. J. Nery, V. Biourge, C. Tournier, V. Leray, L. Martin, H. Dumon, P. Nguyen, Einfluss des Proteingehalts und der Proteinquelle im Futter auf die Kotqualität, die Elektrolytkonzentrationen, die Osmolarität und die Verdaulichkeit bei Hunden unterschiedlicher Körpergröße, Journal of Animal Science , Band 88, Ausgabe 1, Januar 2010, Seiten 159–169, https://doi.org/10.2527/jas.2008-1666 ↩︎